Lea Rossi

... fährt mit dem Postauto zum Einkaufen

Wer mit dem Postauto zum Einkaufen in die Stadt fährt, spart Zeit, Geld und Nerven – dachte ich und winkte meiner Nachbarin mitleidig zu. Sie übte sich gerade am Kunststück, ihre schreienden Zwillinge inklusive Buggy im Kleinwagen zu verstauen. «Ohne Auto ist so ein Einkauf so erholsam wie ein Sprudelbad», rief ich ihr zu. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne meine lieben Kinder Leonie, 11, und Luca, 5, gemacht. Denn kaum sassen wir im Postauto, schepperte es bei jeder Kurve verdächtig unter Leonies Sitz. Hatte ich sie nicht gebeten, die Joghurtgläser auf dem Weg zur Haltestelle zu entsorgen? Doch Ohren hat meine Tochter derzeit nur für ihren iPod.

Ein Joghurtglas rollte aus ihrer Tasche durch den Bus. Luca griff nach Leonies Kopfhörern: «Ich will auch!» Leonie versetzte ihm postwendend einen Knuff. «Du nervst!», keifte sie. Und schon war das wildeste Gerangelim Gang. «Aufhören!», rief ich. Doch wo war Luca? Mein kleiner Prinz ergründete die Beschaffenheit des Fussbodens. Endlich. Angekommen. Einen Bioladen, zwei Teenie-Ausstatter und einen Spielzeugladen später befanden wir uns auf der Rückreise. Luca schlief an meiner Schulter, Leonie summte laut zu Britney Spears, und ich versuchte mich mit drei vollen Taschen auf den Knien zu entspannen. Nicht ganz einfach, so eine Einkaufstour mit öV und Kindern, dachte ich. Hätte ich meinen klapprigen Polo doch nicht verkaufen sollen? Doch dann sah ich wieder den Wagen meiner Nachbarin, stecken geblieben im Berufsverkehr, während wir elegant vorbeisausten – Busspur sei Dank. Als wir aussteigen wollten, hielt mich eine ältere Dame am Arm. «Das haben Sie heute Morgen verloren», strahlte sie und übergab mir ein leeres Joghurtglas.

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