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Kolumne April 2010
... liebäugelt mit Auswanderung
An Silvester war Brunos Cousine Mabel zu Besuch und schwärmte uns von ihrer neuen Heimat vor. Mabel, die eigentlich Margrith heisst, ist vor drei Jahren nach Kanada ausgewandert, wo sie in Toronto erfolgreich eine Bio-Saftbar führt. Jetzt muss man wissen: Auch Bruno und ich hatten in unserer romantischen Phase mit dem Gedanken gespielt, einmal auszuwandern. Also sorgte Mabels scherzhaft gemeintes Angebot beim Abendessen für Furore. Sie war so begeistert von meinen Grünkern-Muffins, dass sie sagte: «Du könntest sofort als Bioköchin bei mir einsteigen und sogar meine Filiale in Ottawa übernehmen.»
Ich lachte und schaute zu Bruno rüber. Auch erfahrene Informatiker seien in Toronto und noch mehr im abgelegenen Ottawa gesucht, setzte Mabel nach. Da bekam mein Liebster glänzende Augen, schwelgte in Pfadfinderzeiten und erklärte, er sei ohnehin ein Mann für die Wildnis. Und Leonie meinte, mit Facebook könne sie ja auch in Kanada ihre Freundschaften pflegen. Als sie zudem aufschnappte, dass es Wochen dauern könnte, bis die Umzugscontainer – inklusive Schulbüchern – am neuen Wohnort eintreffen würden, war sie vollends begeistert. Nur Luca stellte eine Bedingung: dass er einen Grizzly als Haustier haben dürfe, und wenn das nicht gehe, dann mindestens einen Waschbären.
Zwei Wochen später wartete ich – vertieft in die Auswanderungspläne – aufs Postauto. Es bog um die Ecke, Fahrer Fritz grüsste wie immer freundlich mit «Ciao Lea», und wie immer hatte Frau Meuli mir einen Platz freigehalten. Ich seufzte. Ob sie mich vermissen würden? Und was war mit den Trips, die ich kürzlich auf dem «FreizeitKlick» von PostAuto entdeckt hatte und auf die ich mich so freute? Sollte ich das alles aufgeben, meine Freunde, meine Biotomatenzucht und nicht zuletzt meine Kolumne, die mir so am Herzen liegt?
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