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Die kleine, grosse Welt des René Brauen
Aufgewachsen bin ich als Bauernkind in Golaten (BE). Das Dorf liegt versteckt am südwestlichen Rand des Seelandes. Durch Golaten führt keine Strasse, sondern nur daran vorbei.
1989 gab mein Vater das Bauern auf. Bei der Berufswahl merkte ich später: Ich wollte raus, wollte unterwegs sein, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jeden Tag woanders erleben. Also machte ich eine Lehre als Lastwagenchauffeur.
Ich fuhr Baumaschinen, Gas und Gemüse. Beim letzten Job gings täglich von Genf nach Aarau retour – eine eintönige, einsame Arbeit. Deshalb heuerte ich in einer Feinmechanikbude an. Dort fiel mir nach neun Monaten die Decke auf den Kopf. Immer die gleichen 50 Quadratmeter, die gleichen Restaurants am Mittag, das ist nichts für mich. Es zog mich wieder raus, diesmal privat. Mit meiner Freundin und einem Jeep machte ich mich per Frachtschiff auf nach Südamerika. Wir waren im bitterkalten Süden und im tropischen Norden, auf Meereshöhe und auf 5500 Metern in den Anden. Wir haben mit Indios Kaimane gejagt und Piranhas geangelt. Zwei Jahre wollten wir reisen. Nach acht Monaten war Schluss – Nachwuchs kündigte sich an.
Die Rückkehr in die Schweiz war eine Herausforderung: keine Wohnung, kein Job, die Schwangerschaft. Ich bewarb mich hier und dort und erhielt auch Zusagen. Doch eine Antwort stand noch aus. Schon nach der Lastwagenprüfung hatte ich mir überlegt: «Wenn ich älter bin, fahre ich Postauto.» Die Zusage von PostAuto im November 2005 war das Beste, was mir beruflich passieren konnte. Seitdem fahre ich auf verschiedenen Linien in Bern, sehe die Sonne mal hier, mal dort auf- und untergehen. Und ich bin verlässlich – nicht wie die Brasilianer, die uns im Dschungel eine Woche aufs Boot warten liessen.
Nach unserer Heimkehr hatten Claudia und ich vom gesparten Reisegeld ein Wohnmobil gekauft. 35000 Reisekilometer haben wir seitdem zurückgelegt – mit mittlerweile zwei Kindern. Ich bin also immer noch ständig auf Achse. Wohnen tun wir wieder im kleinen Golaten.



