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Nesthäkchen des PostAuto-Fahrpersonals
Als ich in die Pubertät kam, sagten mir meine Eltern: «Jasmin, wenn du mit 18 Jahren nicht rauchst, dann bezahlen wir dir den Fahrausweis.» Ich habe nie geraucht. Was meine Eltern nicht ahnten: Ich war schon als Kind fasziniert von Frauen, die Lastwagen oder Busse fuhren. Also trat ich nach der bestandenen Autoprüfung erneut an meine Eltern heran: «Ich rauche immer noch nicht und würde gern noch den Fahrausweis für Lastwagen machen!» Bis heute haben mir meine Eltern Fahrausweise im Wert von 10 000 Franken bezahlt – auch den der Kategorie D für Personentransport. Merci!
Heute sitze ich selbst am Steuer eines grossen Postautos. Meine Jungfernfahrt war am 14. August 2008. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, so nervös war ich. Morgens in der Garage fühlte ich mich ganz allein im leeren Postauto. Dann gings los: Extrafahrten fürs Open Air Gampel. So lernte ich gleich mal eine schwierige Situation meines Jobs kennen: Fahrgäste in feucht-fröhlicher Feststimmung. Da muss man ruhig und freundlich bleiben, aber auch einschreiten, wenn die Fahrsicherheit gefährdet ist.
Heute bin ich im Ortsbus Brig-Glis–Naters–Bitsch anzutreffen. Wenn ich Spätschicht auf der Linie 1 habe, stellt sich manchmal mein Freund auf seinen Balkon, um mich zu grüssen. Er hat sich sogar schon einmal ein Monatsabo gekauft, um mir während der Spätschicht Gesellschaft zu leisten. Plaudern dürfen wir dann natürlich nicht. Aber manchmal lächeln wir uns still im Spiegel zu.
Noch wohne ich daheim. Langsam wird es jedoch Zeit, dass ich meine eigenen vier Wände habe – wie im Postauto.



