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«Auf den Spuren der Pionierin»
Heidi Schmidt ist ein Familienmensch und PostAuto-Fahrerin
Meine erste Fahrt am Steuer eines grossen Postautos war eine Extrafahrt von Zuzwil nach Wil zum Zirkus Knie. Ich war so stolz, als ich an der Endstation die vielen Fahrgäste aussteigen sah! Während diese sich dann im Zirkus vergnügten, düste ich nach Hause, um meine Kinder ins Bett zu bringen. Danach ging’s wieder zurück, um die Zirkusbesucher heimzufahren.
Die flexiblen Arbeitszeiten waren der Hauptgrund dafür, dass ich meinen Beruf gewechselt habe. Ich bin ein Familienmensch und will als Mutter für meine Kinder da sein. Als Zahnarztgehilfin war das schwierig. So habe ich begonnen, meine Schwiegermutter in unserem PostAuto-Unternehmen in Jonschwil zu unterstützen: Ich übernahm die Buchhaltung, das Rechnungswesen und polierte an Wochenenden Postautos für Hochzeitsfahrten.
Doch warum sollte ich mich nicht mal selbst hinters Steuer setzen? Ein Vorbild hatte ich ja: Claire Buner, die erste PostAuto-Fahrerin der Schweiz, kommt auch aus Jonschwil. Als sie 1971 anfing, war ihr Vater so stolz, dass er fürs Büro in Jonschwil Intarsien mit Motiven von Postautos schnitzte. Zehn Jahre nach Claires Pensionierung wurde in der Ostschweiz im Jahr 2004 das Nachtbusangebot eingeführt. Das war der Startschuss für mich: Ich machte den «kleinen» Führerausweis D1, der «grosse» kam drei Jahre später dazu. Heute fahre ich sozusagen auf den Spuren von Claire.
Die kunstvollen Intarsien schmücken noch immer unser Büro. Frauen am Steuer eines Postautos sind heute aber keine Besonderheit mehr. Allein bei uns in Jonschwil sind wir vier Fahrerinnen. Manchmal machen Buben Witze: «Frau am Steuer, Ungeheuer!» Dann lache ich mit. Ich bin gelassener geworden, seit ich Postauto fahre. Stress ist sinnlos – im Verkehr sogar gefährlich.



